Erwachsen – was heißt das schon?

Meine Mama-Freundinnen sind sich überwiegend einig: Die meisten sind mit der Geburt der Kinder gefühlt erwachsen geworden. Die Verantwortung und die Entscheidungen, die abverlangt werden lassen uns offensichtlich reifen und vernünftig sein.

Aber sind wirklich Elternabende, ein neues Auto kaufen oder Termine beim Kinderarzt Situationen, in denen ich mich erwachsen fühle?

Der Duden hat zum Adjektiv „erwachsen“ Synonyme wie reif, selbstständig, mündig. Wenn es danach geht brauchte ich nicht erst Kinder in die Welt setzen. Eigene Entscheidungen treffen, dazu stehen und mit den Konsequenzen leben konnte ich schon vorher – und wie ich finde – auch recht passabel.
Vor den Geburten war mein Selbstbild außerdem stabil in Punkto „Soft Skills“. Ich fand mich überdurchschnittlich umsichtig, vorausschauend und fürsorglich. Mit meinen Kindern fühle ich mich oft unfassbar unreif. Sie fordern meine Persönlichkeit heraus wie nichts jemals zuvor. Ich mache Fehler über Fehler und ich bin sicher, diese sind so gar nicht erwachsen. Da kann ich noch so viel mehr Zeit in Gärten, auf Spielplätzen und in Kinderzimmern verbringen. 

Chaotische Mama 

Ich war vor den Kindern chaotisch und ich bin es noch immer. In vielen Situationen. Neulich zum Beispiel habe ich im Homeoffice gearbeitet, die Kinder in der Kita. Wir mussten zum Laternenbasteln, das sich direkt an das Abholen meiner Kinder anschloss. Plötzlich, kurz vor knapp fiel mir ein, dass ich für die Bastelrunde einen Obstteller zugesagt hatte. Den musste ich nun in Windeseile herrichten. Glücklicherweise hatte ich Bananen, Birnen und Äpfel ausreichend da. Außerdem hatte ich noch lila und pinkes Transparentpapier meiner Tochter versprochen und wollte das noch im Rossmann kaufen. Ich schmiss also Kleber (die Scheren vergaß ich), Schlüssel und Portemonnaie in irgendeinen Beutel und stürmte los. Der nächste Parkplatz an der Drogerie war voll belegt, ich musste ins Parkhaus. Ich rannte zum Rossmann kaufte, was benötigt wurde, rannte zurück zum Parkhaus. Dort stand ich am Kassenautomat, riss in Eile das Münzenfach auf und starrte auf das leere Lederfutter. Keine Scheine, keine Münzen. Nichts vorhanden. Kartenzahlung in einer Kleinstadt nicht möglich. Der impulsive Sprint zum etwa 400 Meter entfernten Geldautomaten verlangte wohl wenig Reife.
Schweiß gebadet, ein bisschen über der Zeit kam ich schließlich im Kindergarten an und setzte mich mit meinen zwei Mädchen zwischen den gut strukturierten, perfekt organisierten Müttern und ihren hervorragend eingepackten Bastelutensilien.

Erwachsen? Wohl kaum. Chaotisch? Und wie!

 

Eine sorgfältig aufgehobene Erinnerung längst vergangener Zeiten

Ich bin ich 

So bin ich und so werde ich wohl auch immer sein. Ich habe noch nie einen Wochenplan geschrieben, noch nie schon Tage vorher Kindergeburtstagsgeschenke gekauft oder einfach mal alles im Griff. Ich gebe zu, ich arbeite daran, weil das mit Kindern oft ein Vielfaches an Energie zieht. Aber grundsätzlich liegt mir das nicht im Blut.

Ja sicher, es gibt Momente in denen erwachsenes Verhalten gefragt ist. Mit und ohne Kindern. Bloß Kinder sind von den Entscheidungen der Eltern abhängig. Reife, Lebenserfahrung und Selbstsicherheit sind den Eltern dabei bestimmt gute Freunde das täglich gut zu meistern. 

 

Vernünftig. Wer ist das schon das schon? 

Als Kind hatte ich von Peter Maffay die damals erste Tabaluga CD (Tabaluga oder die Reise zur Vernunft). Ich habe sie so oft gehört, dass ich sie bis heute auswendig mitsprechen kann, obwohl ich sie schon längst nicht mehr besitze. Am Ende von Tabalugas Reise trifft er Nessaja, die weise Meeresschildkröte. Und bevor der letzte Song der CD angestimmt wird sagt Nessaja zu Tabaluga:
„Erwachsen. Was heißt das schon? Vernünftig. Wer ist das schon? Ich bin ich. Und Du bist Du. Das ist alles, was ich weiß.

Aber was kann das schon bedeuten?  

 

 

 

 

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